Aschenputtel muss sterben!

          Wir alle kennen die Story. Ob kitschiger Weihnachtsfilm oder Disney-Märchen: So haben wir früh verinnerlicht: Arbeit vor Vergnügen, brav sein, und natürlich: Warte auf den Prinzen, der dich rettet. 

 

Zwar empfinden wir es als ungerecht, dass Aschenputtel erst die Linsen sortieren muss, bevor sie auf den königlichen Ball gehen darf, aber sympathisieren gleichermaßen mit dem fleißigen, braven Mädchen. Die faulen, gehässigen Stiefschwestern fallen direkt in Ungnade. 

 

Die Tugend der Stunde ist also Fleiß – dazu die demütige Erduldung aller Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Und das Alles wird durch mit unserem Prinzen als Erlöser belohnt.

 

„Wenn du ein braves Mädchen bist, dann…“ – hast du das auch als Kind gehört? Ich? – Ständig. Was bei mir dazu geführt hat, dass ich kein braves Mädchen sein wollte. „Brave Mädchen kommen in den Himmel – böse überall hin!“ Und genauso war es: ich habe immer erreicht, was ich wollte (und verbüße gefühlt bis an mein Lebensende noch Hausarrest). 

 

Den offensichtlichen Kampf gegen die Unterdrückung habe ich also gewonnen. Wenn man es denn so nennen will.

 

Was mir jedoch all die Jahre nicht bewusst war, ist, wie beständig die zweite Botschaft sich in allen meinen Zellen festgesetzt hat: Du bist erst etwas wert, wenn du etwas leistest. Du musst erst etwas geben, bevor du empfangen darfst. Quid pro quo – wenn überhaupt.

 

Das Alles in einer Gesellschaft, in der Leistung zum höchsten Gut zählt. Honoriert und gefeiert, weil sonst das gesamte System kollabieren würde. Wo das Kollektiv davon profitiert, dass alle Aschenputtel brav ihre (unbezahlte oder unterbezahlte) Arbeit erledigen. Je mehr, desto besser. 

 

Fürsorge, Schöpfung und Verbundenheit sind grundlegende weibliche Attribute. Wir sind der ultimative Ausdruck von Schöpfungskraft. Wir schenken Leben und ernähren Babys! Könnte man sich also einfach machen und behaupten, dass Frauen die Care Arbeit viel leichter fällt. (Was natürlich erwiesenermaßen Schwachsinn ist… no more words needed).

 

Aber es gibt große Unterschiede zwischen einer Frau, die funktioniert und einer Frau, die sich lebt:

 

Empfangen statt kontrollieren. 
Intuition statt Logik.
Zyklisch statt linear.
Sein statt Tun.
Innenwelt statt Außenfokus.
Hingabe statt Durchsetzung.

 

Wir dürfen die Vorstellung von der allseits bereiten Dienerin hinter uns lassen. Echte Weiblichkeit beginnt dort, wo wir aufhören zu leisten – und anfangen zu empfangen. 

 

Die beste Version von dir erreichst du nicht durch noch mehr Selbstoptimierung, mehr Aufopferung. 
Die echte Version von dir wartet darauf, sich fallenlassen zu dürfen, loslassen zu können. 

 

Aber Veränderung kann nur dort geschehen, wo Raum dafür ist. Damit etwas Neues bei dir einziehen kann, darf Platz gemacht werden. Im Inneren. Du darfst Altes loslassen.

 

Aschenputtel MUSS sterben. 

Damit DU dich LEBEN kannst.

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